Eine Mail, die gerade hereingekommen ist, geschrieben von einer Münchner Kollegin:

„Die Schneiderei des Nationaltheaters hat mir übrigens einige selbstgenähte Masken geschenkt. Für die Mitarbeiterinnen wahrscheinlich besser als gar nichts. Sie alle können Masken in der Oper bestellen.“

Ein anderer Kollege hat es perfekt auf den Punkt gebracht:

„Das Hauptversäumnis von Minister Spahn im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie ist, dass er sich zu einem Zeitpunkt, als schon absehbar war, dass die Pandemie uns erreichen könnte, immer noch mehr mit seinen Digitalgesetzen beschäftigt hat, als mit der Bevorratung und Beschaffung von Schutzanzügen.
Jetzt wird von uns Ärzten verlangt, ungeschützt unsere Arbeit zu verrichten. Wir sind gezwungen, uns Schutzmasken zu weit überhöhten Preisen auf dem Spekulantenmarkt zu besorgen. Diese Fehler muss man Spahn immer wieder vorhalten. Er ist alles andere als ein guter Krisenmanager.“

Während in den letzten Jahren über 3,3 Milliarden Euro für die Entwicklung der Telematikinfrastruktur ausgegeben wurden, und sogar schon 2013 das Szenario einer Sars-Virus-Pandemie laut einer Bundestagsdrucksache für Deutschland schon mal durchgespielt wurde (ohne Konsequenzen für die Vorplanung natürlich), fehlen jetzt Schutzmasken und andere Vorrichtungen.

Aber Digitalisierung scheint wichtiger. Gerade noch konnte verhindert werden, dass Spahn Smartphone-Bewegungsprofile tracken lässt, um Infizierten oder Gefährdeten auf die Spur zu kommen.

Die Sitzung des Petitionsausschusses in Berlin vom 20.4. ist derweil immer noch nicht verschoben. Einzig Besucher wurden wegen Corona bereits ausgeschlossen. Überlegt wird wohl eine Verlegung in einen größeren Sitzungssaal, mit zudem weniger Abgeordneten. Da entsteht schon etwas der Eindruck, dass man das unangenehme Thema abarbeiten will – Hauptsache erledigt. Noch dazu in einer Zeit, in der sich niemand für so etwas interessiert.

Sicher – man will vielleicht auch nicht den Eindruck erwecken, der Bundestag interessiert sich nicht für die Thematik, und verschiebt deswegen die Sitzung (so meinte es ein MdB-Mitarbeiter am Telefon). Aber die Gefahr bestünde meines Erachtens nicht, wenn man die Sitzung z. B. auf Ende Juni verschieben würde.

Kämpfen wir uns also durch die wirre Zeit. Und am Ende darf ich dann noch trotz aller Reisebeschränkungen und geschlossener Hotels nach Berlin fahren. Kann ja spannend werden. Zumindest könnte man den Anlass nützen, dass es vielleicht doch noch analoge Dinge gibt, die wichtig sind: Pflegepersonal, Ärzte, soziale Beziehungen, Medikamente, Schutzmasken. In der Medizin lässt sich eben doch nicht alles mit ein paar Klicks erledigen …!

Schutzmasken aus dem Nationaltheater
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