“Durch Fehler bei der Aktualisierung vertrauen die Konnektoren dem aktuell gültigen Vertrauensanker folgerichtig nicht mehr”. Das ist ja tröstlich, dass nun auch die unseligen Telematik-Router ihr Vertrauen verloren haben, seit Beginn der aktuellen TI-Störung am 27. Mai. Das ist bei den niedergelassenen Ärzten schon längst weg. 2,5% Honorarabzug nun seit März – mal sehen, was die Petitionsanhörung morgen bringt. Wenigstens das Wetter ist schön in Berlin, das kann ich heute schon berichten.

Aber die Kosten für die TI steigen und steigen:
– 4 Mrd. Euro bis heute schon für die Entwicklung der elektronischen Gesundheitskarte und der TI
– 140 Mio wohl etwa für die Erstbefüllung der elektron. Gesundheitskarte (ePA) bei angenommener Inanspruchnahme der ePA durch 20% der Versicherten im 1. Jahr
– 1,2 Mrd. Euro für die Befüllung der ePA mit den Notfalldaten
– 10 Mio für die Erprobung des Anschlusses der Pflegeeinrichtungen, wissenschaftlich gestützt
– 140 Mio für die Befüllung der ePA durch die Zahnärzte

Bis auf die von mir zusammengerechneten 4 Mrd. sind das alles Angaben des Spitzenverbandes der Krankenkassen, aus der Stellungnahme vom Mai zum Patientendaten-Schutzgesetz. Dazu kommen dreistellige Millionenbeträge jährlich für Updates (für die Konnektoren; auslaufende Zertifikate; immer wieder mal neue Smart Cards). Nun ja, im Vergleich zur laufenden Schuldenuhr (siehe Bild), der ich heute zufällig über den Weg gelaufen bin, ist das natürlich gar nichts. Aber dafür zahlen wir Steuern. Die TI-Kosten werden überwiegend aus Versichertenbeiträgen finanziert.

Wer nun die Kosten für die aktuelle TI-Störung übernimmt, die laut KBV 80.000 Praxen betrifft, bleibt noch unklar. In etlichen Praxis ist die Störung in der “zentralen Telematikinfrastruktur” (für die ja eigentlich nicht die Praxen, sondern die gematik verantwortlich sein müsste) behoben, aber noch längst nicht in allen. Trotz zentraler Störung muss wohl dezentral repariert werden, durch Aufspielen einer Datei für den Konnektor. Erstaunlich, dass dieses hochheilig und laut Vorschriften hochsicherheitsmäßig zu schützende Ding einfach mit einer Datei von außen verändert werden kann.

Schade, dass die Anhörung morgen im Marie-Elisabeth-Lüders nur eine Stunde geht. Es gäbe viel zu sagen. Marie-Elisabeth Lüders im Übrigen, 1878 geboren, kam laut wikipedia um 1900 mit der Frauenbewegung in Kontakt, 1953 sowie 1957 war sie Alterspräsidentin des Bundestages. Mit den Nationalsozialisten hatte sie reichlich Konflikte. Wäre spannend, was sie zu heutigen Entwicklungen sagen würde. Ein würdiger Ort zumindest für die Petitionsanhörung am 15.6..

Ergänzung vom 15.6.: aktuell zur Anhörung heute ist ein Interview im “Tagesspiegel” online erschienen (verlinkt).

Hohe Kosten, wenig Vertrauen – das TI-Drama geht weiter