Daten finnischer Psychotherapeuten gehackt, Patienten werden damit erpresst! Der neuerliche Datenskandal ist ein guter Anlass, die Entwicklungen der letzten Wochen und Monate nochmals Revue passieren zu lassen:

– So etwa die Störung der Telematikinfrastruktur (TI) ab Ende Mai, durch die wochenlang ca. 80.000 Praxen kein Versichertenstammdatenmanagement durchführen konnten wie eigentlich vorgeschrieben, und wofür lange die Übernahme der Updatekosten unklar waren und schließlich von der Gematik nur in einer Höhe von bis zu 150 Euro zugestanden wurde.

– Weiter mehrfache Proteste der KVen gegen unsinnige und teure Digitalisierung, wie es die TI darstellt. Ein Schreiben aller KVen vom 24.07.2020 kann hier gelesen werden.

– Anstehend die verpflichtende Einführung der e-AU-Bescheinigung ab Mitte oder Oktober 2021, die an den Patienten vorbei der Krankenkasse elektronisch geschickt oder – als Doppelbelastung für die Praxen – zusätzlich doch weiter auf Papier ausgedruckt werden soll. Wo Millionen Blätter Papier gespart werden sollen und das Ganze somit auch noch als umweltfreundlich verkauft wird, werden gleichzeitig viele Ressourcen technischer Art benötigt und Energie verbraucht, Daten zentral gespeichert und auf anfällige Infrastruktur gesetzt.

– Dazu dann die ebenso verpflichtende Einführung des e-Rezeptes ab 1.1.2022, evtl. mit Ausdruck eines QR-Codes für Patienten (was widersinnig ist, weil dann könnten wir gleich das richtige Rezept ausdrucken!), an sich aber wieder vorbei am Patienten, mit Verzögerung des Workflows in den Praxen mit vielen zusätzlichen Klicks (ein normales Rezept ist sehr schnell ausgedruckt; daran muss sich die neue Technik messen lassen!), und das bisherige gut funktionierende System auf den Kopf stellend (auch Apotheker haben schon von ihrem Entsetzen über die Änderungen berichtet).

– Dazu die dann nicht mehr gegebene Arbeitsfähigkeit der nicht an die TI angeschlossenen Praxen (momentan noch über 10%) spätestens ab 1.1.2022, mit zudem bereits angedrohtem Zulassungsentzug.
Dabei müssten Patienten im Sinne der freien Arztwahl eigentlich die Möglichkeit haben, nicht angeschlossene Praxen zu nützen (gerade für sensibilisierte psychisch Kranke, aber nicht nur für die, wäre das wichtig – denke ich alleine nur an meine psychotischen Patienten!).
Und wo ist Plan B, wenn wieder eine TI-Störung auftritt, und dann nicht-angeschlossene Praxen benötigt werden, die weiter die “alte” Infrastruktur vorhalten und auf Papier ausdrucken können?

– Weiter muss die nicht geplante End-zu-End-Verschlüsselung des e-Rezeptes erwähnt werden, worüber heise.de berichtet (verlinkt). Jeglicher Auswertung sind damit Tür und Tor geöffnet, ohne dass Patienten etwas davon mitbekommen.

– Im September wurde nun das PDSG durch den Bundesrat gewunken, trotz erheblicher Bedenken des Bundesdatenschutzbeauftragten U. Kelber, der von Warnhinweisen spricht, die die von ihm beaufsichtigten Krankenkassen für die ePA ihren Versicherten mitteilen müssten!

Eckpunkte zu einem neuen Digitalisierungsgesetz aus dem BMG zeigen, dass der internationale Datenfluss gefördert werden soll (TI-Öffnung für das Ausland!), und dass der unbeliebte Konnektor sowieso 2023 abgeschafft wird, zugunsten aber digitaler Identitäten für Patienten und Ärzte. Damit nähern wir uns der von Spahn schon länger angestrebten einzigen digitalen Identität für Steuer-, Paß- und Gesundheitswesen an, worüber das Handelsblatt bereits 2018 berichtete.

Wenn man dann noch die aktuellen Bestrebungen zur Verwendung der Steuer-Identifikationsnummer für die Rentenübersicht und als Bürgernummer sowie den demnächst ebenso verpflichtenden Fingerabdruck im Personalausweis dazu denkt, sind wir nicht mehr weit von Überwachung und Zwangsdigitalisierung. Heribert Prantl am 5.9.2020 in der Süddeutschen Zeitung: “Schlimme Finger. Fingerabdrücke im Personalausweis werden bald Pflicht. Und: Jeder und jede kriegt eine Personalnummer. Neue Sicherheitsgesetze bringen noch mehr Erfassung.”

– Schließlich wurden, wie gestern erst (27.10.2020) bekannt wurde, bereits 2019 in Finnland Daten von Psychotherapeuten gehackt und kursieren bereits im Darknet, heise.de, spiegel.de und andere haben berichtet (verlinkt). Spätestens jetzt müsste klar werden, dass zentral gespeicherte Daten anfällig sind, und bei Datenlecks und Datenhacks gerne vertuscht und verschwiegen wird!

Immer mehr verdichtet sich der Eindruck, dass mit TI, ePA und anderen damit verbundenen Services eher die “Gesundheitswirtschaft” (siehe dazu die Webseite des BMG!) und damit zurzeit insbesondere die IT-Wirtschaft gefördert werden sollen, und es zudem um das Abgreifen von Daten geht, die zwar zur Entwicklung neuer Produkte für die “Gesundheitswirtschaft” hilfreich sein mögen, selten jedoch für die reale Versorgung der Patienten vor Ort.

Hier steuern wir immer mehr einer Krankenkassen-gesteuerten Call-Center-Medizin entgegen (eine Anzeige in der SZ machte das am 20.10.2020 deutlich), wohingegen uns in Krankenhäusern immer mehr Pflegekräfte sowie ambulant auf dem Land immer mehr Ärzte fehlen. Ein Drittel aller Ärzte ist über 60 Jahre, und überlegt, vorzeitig wegen dieser ganzen IT-Schikane aufzuhören. Interessiert aber keinen, das machen wir dann alles digital!

Einzelpraxen, die von Patienten immer noch sehr gerne wohnortnah oder in ihrem Stadtviertel aufgesucht werden, werden aussterben, weil sie sich die hohen Kosten für IT-Sicherheit, steigende Haftpflichtprämien und heute nun nötige Cyberversicherungen nicht mehr leisten können. Das können Konzern-gesteuerte Medizinische Versorgungszentren (MVZs) natürlich besser. Die kontinuierliche Arzt-Patient-Beziehung als wesentliches Heilmittel wird darunter aber leiden, wechseln in MVZs doch häufig die Ansprechpartner für Patienten, ganz abgesehen von der Unwirtschaftlichkeit längerer Gespräche.

Somit bleibt nur, weiterhin den Irrsinn zu dokumentieren – und dabei möglichst nicht selbst irrsinnig zu werden! Die hier aufgelisteten Entwicklungen wurden aktuell auch nochmals dem Petitionsausschuss des Bundestages mitgeteilt, da dieser immer noch nicht über die Petition entschieden hat, die am 2.9.2019 eingereicht worden war und deren Anhörung in Berlin am 15.6.2020 stattgefunden hatte. Nachgereichte Informationen werden angeblich an die Berichterstatter zur Petition in den Parteien weitergeleitet. Hoffen wir es! Trotz Corona muss noch Zeit und Wahrnehmung möglich sein dafür, was sonst klammheimlich eingeführt und vollzogen wird!

(Beitragsbild: Screenshot – BR-Sendung “Kontrovers” – 13.02.2019)

Hacker greifen vertrauliche Daten finnischer Patienten ab, und erpressen sie damit – nur ein Ereignis mehr in einer unsäglichen Entwicklung

Ein Kommentar zu „Hacker greifen vertrauliche Daten finnischer Patienten ab, und erpressen sie damit – nur ein Ereignis mehr in einer unsäglichen Entwicklung

  • 28. Oktober 2020 um 13:27
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    Und wenn dann alles installiert ist, jeder Bürger vor Tatsachen gestellt wird und sich fragt, wer hat das denn wann entschieden, dann haben alle wieder von nichts etwas gewußt. Also müßte es eine Welle an “Wissen” für die Bevölkerung geben, denn momentan erfolgt alles nur sichtbar für einen kleinen Teil an Interessierten und halt der Ärzteschaft und Psychotherapeuten. Das ist einfach zu wenig. Wie erreicht man die Basis an Menschen so, dass sie zweifelsohne verstehen, was hier gerade passiert. Ich glaube der Regierung kommt Corona gerade recht, dadurch kommt keine gesellschaftliche Diskussion auf, von Demo´s mal ganz zu schweigen. Also, wer kann es Hans und Gretel so erklären, dass sie das Wichtige verstehen und deutlich sagen “Nicht mit meinen Daten” – Wenn ichmit meiner Stimme darüber entscheiden kann, dann wähle ich eben keine der Regierungsparteien, die versuchen mit meine Rechte zu nehmen.
    Vielleicht war dies 33 auch so, denn Hitler hat ja angeblich niemand gewählt und schon garnicht gewußt, was der alles so verbrochen haben soll.
    VG Uwe Lorenz

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