Kurt Kister schrieb dies in der Süddeutschen Zeitung vom 20.11.2020 mit Blick auf die Äußerung von Angela Merkel, jeder Kontakt, der nicht stattfinde, sei gut. Mit abstrakten Infektionszahlen und Verwaltung über eine Corona-App scheint es, abgesehen vom oft persönlichen Leid der Betroffenen und ihrer Angehörigen, tatsächlich oft nur noch um einen zu organisierenden bzw. zu verwaltenden Prozess zu gehen.

Das gleiche Phänomen sehen wir aber auch bei der elektronischen Patientenakte, die nun zum 1.1.2021 eingeführt wird. Gefühle, Sympathie, Wellenlänge, Wünsche und Träume, Entlastung durch das Gespräch, vieles mehr noch, was in unseren Praxen sich ereignet, lässt sich nicht mit der gewünschten standardisierten Dokumentation in Daten darstellen. Somit bringt sie weder etwas für die Forschung, noch für die gewollte bessere Kommunikation, die aber immer erst gewollt und dann auch gemacht sein muss – egal ob analog oder elektronisch.

Doch gerade in vielen Verwaltungsbereichen erhoffen sich Politiker eine hohe Effizienz von der Digitalisierung. Sie übersehen dabei leicht, dass dafür eine maximale Beteiligung der Bürger nötig wäre, was zwangsläufig zu Zwangsstrukturen führt (die sie vielleicht sogar explizit wollen?). So werden Ärzte und Therapeuten heute schon durch Gesetz dazu gezwungen, die technische Infrastruktur für die e-Akte einzurichten, wollen sie Honorarabzug vermeiden. Und auch Patienten werden wohl unter Druck kommen, diese zu nutzen.

Der Mensch, hier der Kranke, wird so zum Datenlieferanten. Die offizielle Seite wirbt ja auch für Datenspenden, die abzugeben seien. Mal abgesehen davon, dass Daten aus Praxen oft qualitativ äußerst schlecht sind: Privatsphäre und Schweigepflicht sind auf diese Weise bedroht. Denn die Daten sollen ja zentral auf Servern gespeichert werden. Darüber wird kaum jemand aufgeklärt, so dass in Umfragen leicht ein positives Echo auf das ePA-Angebot entstehen kann.

Bald schon sollen Ärzte und Patienten über eine digitale Identität auf die ePA zugreifen können. Jens Spahn will ja sowieso nur noch eine einzige digitale Identität für Paß-, Steuer- und Gesundheitswesen. Der Mensch als Teil eines zu organisierenden Prozesses. Dies dann wohl auch mittels Bürgernummer, zu der Horst Seehofer die Steueridentifikationsnummer machen will. Und Planungen für eine transnationale digitale Identität, ID 2020, sind längst im Gang. Die USA und die europäische Kommission sind sehr daran interessiert.

Es wird nötig sein aufzupassen, dass wir nicht Teil einer digital gesteuerten Menschenmasse werden, wie das in China bereits Alltag ist!

Das Zitat (1): „Der Mensch wird nur noch als Teil eines zu organisierenden Prozesses verstanden“