Der 31.3. naht, die Mailanfragen nehmen zu, die Nervosität steigt (auch bei mir, obwohl ich mir meiner Haltung sicher bin). Es wird also Zeit für aktuelle Infos.

In der ÄrzteZeitung erschien am 25.3. eine ausführliche Übersicht über den Stand der Anschlüsse in den KVen. Auch wenn die Zahlen teilweise auf dem Quartal 4/18 beruhen (teilweise aber auch aktuell sind): die 50%-Marke wurde bei keiner KV bisher erreicht. Häufig waren es rund 40%, öfter aber auch nur rund 20%

Was also tun? Im besten Falle ruhig bleiben, im Wissen, gemeinsam mit vielen Kolleginnen und Kollegen etwas Unsinniges zu verweigern. Eventuell ein Schreiben mit den eigenen Argumenten an die jeweilige KV schicken, ein Beispiel dafür findet sich in diesem Beitrag.
Möglich wäre auch ein juristischer formulierter Brief, weil eine Lösung ohne Anbindung an das Netz nicht möglich ist, obwohl im Gesetz stehend;
Musterbriefe bei der Freien Ärzteschaft und der IG Med.

Es ist doch schon erstaunlich, dass man von vornherein den 1%-Abzug im eHealth-Gesetz von 2015 (inkraft getreten 1.1.16) verankert hat. Als hätte man gewusst, dass die ganze Telematik-Sache nicht sauber ist und Widerstand erzeugen würde. Den hatte es vorher ja von der Ärzteschaft, z. B. auf zahlreichen Ärztetagen, auch gegeben:

Ärztetag 2015: Auf Antrag von Dr. Silke Lüder, Dr. Hans Ramm, Prof. Dr. Bernd Bertram, Dipl.-Med. Dörte Meisel, Dr. Petra Bubel, Christa Bartels, Petra Imme, Dr. Wolfgang Wesiack, Wieland Dietrich, Dipl.-Med. Ingo Menzel, Stephan Grundmann, Klaus Schäfer, Dr. Bernd Lehne, Dr. Josef Pilz und Dr. Hildgund Berneburg (Drucksache VI – 18) fasst der 118. Deutsche Ärztetag 2015 folgende Entschließung:
Die Verpflichtung zur Durchführung und die administrative Durchsetzung des Online – Versichertenstammdatenmanagements (Online-VSDM) im geplanten E-Health-Gesetz ist für die Ärzteschaft wegen Behinderung der Patientenversorgung und aus Gründen der Datensicherheit nicht  akzeptabel. Der 118. Deutsche Ärztetag 2015 fordert, dass im Rahmen des Gesetzgebungsverfahrens zum E-Health-Gesetz diese Verpflichtung und die damit verbundenen finanziellen Sanktionen gestrichen werden.
Begründung:
Das Versichertenstammdatenmanagement gehört zu den zentralen administrativen Aufgaben der Kostenträger. Es ist keine ärztliche Aufgabe und geeignet, die bestehenden Kapazitätsprobleme in der ambulanten Krankenbehandlung empfindlich zu verstärken. Außerdem kann auf Dauer keine Sicherheit für die sensiblen Praxisdaten bei Anschluss an eine bundesweite zentrale Kasseninfrastruktur garantiert werden. Das VSDM ihrer Mitglieder können die Krankenkassen auch jetzt schon durch Terminals in ihren Filialen und/oder Apotheken (entsprechend der Lösung in Frankreich) verwirklichen.
Der 118. Deutsche Ärztetag lehnt die im E-Health-Gesetz zur Durchführung dieser unzweckmäßigen Verpflichtung vorgesehenen Sanktionen als unangemessen, autoritär und der erforderlichen, konstruktiven Partnerschaft vom Staat und Ärzteschaft abträglich ab.

Es lohnt sich, im Link zu diesen Ärztetagbeschlüssen die Seiten 328-335 zu lesen!

Update-Server von Computerhersteller (!) gehackt! Ach ja, hier noch die fast schon tägliche Hackergeschichte aus der Zeitung, SZ vom 26.03.2019: Ein offizieller (!) Update-Server des taiwanesischen Computerherstellers Asus ist von Unbekannten übernommen worden, „sodass die attackierten Computer dachten, sie würden ein gewöhnliches Update für Asus-Geräte herunterladen. Stattdessen luden sie Malware auf ihre Rechner.“ Interessant so nebenbei, dass Computer jetzt schon denken …!

Wenn jetzt also schon Computerhersteller ihre Server nicht mehr schützen können …! Wie wird das dann erst bei nicht ganz so fachlich versierten Datenbetreibern aussehen!

Meistens wird ja über irgendwelche versandten Links ein Computervirus verschickt. Ein Experte meinte dazu kürzlich: „30 Prozent aller Angestellten klicken auf alles, was du ihnen schickst“. Gute Schulungen in Telematik-Praxen werden also nötig sein. So man sich die teuren Geräte einer jetzt schon wieder veralteten Technik, die sowieso spätestens alle fünf Jahre gewechselt werden müssen, nicht gleich von vornherein spart!

Wohl immer noch < 50% angeschlossen! - und wieder mal eine Hacker-Story!

4 Gedanken zu „Wohl immer noch < 50% angeschlossen! - und wieder mal eine Hacker-Story!

  • 27. März 2019 um 19:05
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    Ich habe auch beschlossen, dass ich diesen Zivilisationsbruch nicht mittragen werde und mir geht es bisher gut dabei. Auch baut es mich auf, dass ich viele meiner -seit Monaten währenden- Überlegungen in verschiedenen Beiträgen von verschiedenen Seiten wiederfinde, so dass immer klarer wird, wie richtig wir mit unserem Widerstand liegen.
    A. Obermeier

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  • 27. März 2019 um 17:53
    Permalink

    Ich werde diesen gefährlichen Unsinn nicht mitmachen. Und es war mir eine Freude das Kreuzchen bei der aktuellen Abrechnung bei ‚Nichtangeschlossen‘ zu machen. Nur Mut Kolleginnen und Kollegen. WIR haben nicht nur die Verpflichtung sondern auch die Macht uns gegen autoritäre Unsinnsanordnungen zu widersetzen.

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  • 27. März 2019 um 13:20
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    Danke für Ihre immer nüchternen Betrachtungen. Ich drucke jetzt das Logo „TI-frei“ auf alle Arztbriefe. (Sieht nebenbei ganz schick aus, finde ich!). Viele Grüße
    A. Förster

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    • 28. März 2019 um 21:04
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      Danke für die gute Idee zu nachahmen 🙂

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