Wir durchleben unschöne Zeiten als Ärztinnen und Ärzte: wir werden stark in Anspruch genommen in unserer Arbeit und müssen froh sein, wenn wir dabei über Wasser bleiben. Dann kommt der Bundesgesundheitsminister und erklärt uns unseren Job, als wenn wir nach Studium und Facharztausbildung sowie unterschiedlich langer Berufserfahrung gerade darauf gewartet hätten.

Mehrwert der TI – für wen?

Nun dürfen wir dabei nicht genau hinschauen: eigentlich sollten die digitalisierungsbezogenen Änderungen uns einen Mehrwert erbringen. Dabei hatten wir aber keineswegs erwartet, dass der in dem Abgleich der Versichertenstammdaten (VSDM) liegen soll. Man könnte uns auch anheim legen, dass wir nach der Arbeit in der Praxis die Krankenwagen waschen sollten. Das käme auch dem Gesundheitssystem zu Gute, weil die dann damit einsparen … .

Schräger Vergleich? Keineswegs. Was haben wir mit der Erfüllung einer bürokratischen Aufgabe der gesetzlichen Krankenkassen zu tun? Genauso gut könnten die auch unsere Lohnverwaltung für unsere MFA’s mit übernehmen. Damit kennen die sich doch aus. Einen Pustekuchen werden die aber tun. Der VSDM hat mit ärztlicher Tätigkeit in der Niederlassung nichts zu tun. Warum wollen die bzw. der BMG-Spahn das also?

Es handelt sich um das Einfallstor in die Praxen. Weitergehende Ideen sind noch nicht so weit. Deshalb wird erst einmal geprüft, wie weit eine solch unsinnige und bürokratische Aufgabe durchsetzbar ist. Damit lässt es sich dann auch abschätzen, wie weit man mit den Niedergelassenen umspringen kann, wie man will.

Nun, viele, die (bisher) nicht bestellt haben, sind um die Vorgänge verunsichert, was auch gut verständlich ist. Ich kann mich auch nicht daran erinnern, dass von staatlicher Seite schon einmal so vehement in die Versorgungsmodalitäten eingegriffen worden wäre. Das BMG gibt uns das Gefühl, dass wir nur ganz kleine Rädchen im Getriebe sind.

Zuerst also kommt die TI, dann die weiteren viel wichtigeren Zumutungen, nämlich die elektronische Patientenakte. Und da dürfen sich jetzt schon Ihrer alle Nackenhaare aufstellen. Sicher geht es da weniger um die Interessen der Patienten. Interessiert ist da aber brennend die Versicherungswirtschaft. Und wer sonst alles was mit Gesundheitsdaten machen will.

Gefährdung durch TI-Anschluss

Nun sind ja schon nicht wenige an die TI angeschlossen. Aktuell gerät für viele die Installation des Konnektors in das Kreuzfeuer der Kritik (siehe auch Berichte bei aend.de). Durch Parallel- statt Reiheninstallation ist das System offenbar anfällig geworden für Angriffe von außen, zudem wurden wohl oft Firewalls und Virenabwehrsysteme von Technikern ausgeschaltet. Offenbar sind selbst Techniker überfordert, wie sollten wir es nicht sein? Verstehen lassen sich die Darstellungen zu den Installationsmöglichkeiten jedenfalls kaum.

Die Gematik selbst schätzte am 17.4. die Gefährdung für TI als „unverändert hoch ein“ und berichtete von 1200 Problemmeldungen im Monat (!). Aber gleichzeitig findet sie das Ganze unverantwortlich und sieht die Schuld bei den Ärzten. Die hätten es ja besser wissen müssen. Wozu schließlich haben wir Medizin studiert?

Das BMG und die an der TI in einem stark überhöhten Ausmaß verdienenden AiS-Hersteller wollen diejenigen, die sich bisher der TI verweigert haben, verunsichern und sie glauben lassen, dass sie eine ganz kleine Gruppe seien, sozusagen die letzten Mohikaner. Tatsächlich sind es wohl eher um die 30%, was für das eigentlich stark überalterte Telematikprojekt ein sehr schlechtes Ergebnis ist.

Wir dürfen nun gespannt sein auf die weitere Entwicklung: werden jetzt die ganzen Installationen geändert, wird die TI abgeblasen?

Ich hoffe, dass die Verweigerer nicht den Mut verlieren und sich durch die neuesten Informationen dem entgegen bestätigt sehen in ihrer Einschätzung! Da sollten wir uns auch durch die aktuell von der Bundes-KV angedrohten „Disziplinarverfahren“ (wie immer die dann aussehen sollen) nicht verrückt machen lassen.

TI, falsche Schaltungen und VSDM – Umstellung auf arztfremde Tätigkeiten nötig?

5 Gedanken zu „TI, falsche Schaltungen und VSDM – Umstellung auf arztfremde Tätigkeiten nötig?

  • 2. Mai 2019 um 12:45
    Permalink

    Dieses Schreiben habe ich als „Verweigerer“ heute erhalten. Duktus: TI- Nichtanbindung führt automatisch zu „Falschabrechnung“. Hier der Auszug:
    …“Darüber hinaus machen wir (Sie) auf eine zusätzliche, wesentliche Folge aufmerksam, falls die TI-Anbindung nicht erfolgt: Der Zugriff auf die auf der EGK gespeicherten sogenannten geschützten Daten (besondere Personengruppe, ruhender Leistungsanspruch, Zuzahlungsstatus) wird in absehbarer Zeit nur noch autorisierten Personen mittels SMC-B (Praxisausweis) bzw. HBA (Heilberufe-Ausweis) möglich sein. Die fehlende Anbindung an die TI führt dazu, dass eine solche Zahnarztpraxis nicht mehr auf die geschützten Daten der EGK zugreifen kann und der Praxis somit für die Abrechnung relevante Informationen nicht mehr zur Verfügung stehen werden. In einer Zahnarztpraxis ohne TI-Anbindung werden somit die besonderen Informationen fehlen und zu Falschabrechnungen führen.“

    Wir bekräftigen daher nochmals unseren dringenden Appell, unter unbedingter Einhaltung der gesetzlich vorgegebenen Fristen, die notwendigen Erklärungen „Wahrung der Bestellfrist“ und „Inbetriebnahmeerklärung“ online bei der KZV BW abzugeben.
    Ohne Unterschrift

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  • 27. April 2019 um 17:54
    Permalink

    Ist das der Gnadenstoß für die TI?

    Gerade eben habe ich von unserem IT Verantwortlichen die folgende E-Mail mit dem darin enthaltenen Link bekommen:

    „Hallo Uwe,
    wenn die Freie Ärzteschaft immer so gerne mit fehlender Sicherheit argumentiert, dürfte diese Meldung nun der Gnadenstoß für die TI sein.

    TLS 1.3 oder TLS 1.2 mit Diffie-Hellman-Schlüsselaustausch.

    https://www.heise.de/security/meldung/Verschluesselung-Neue-TLS-Empfehlungen-vom-BSI-4408864.html

    Was ich bislang so gelesen habe war von TLS 1.0 und TLS 1.1 die Rede

    Mit freundlichen Grüßen
    ……

    Antworten
  • 27. April 2019 um 13:58
    Permalink

    Disziplinarverfahren? Die spinnen doch!
    Sorry, ein anderer Kommentar fällt mir dazu nicht ein.
    Ich kann nur hoffen, dass wir uns alle nicht einschüchtern lassen. Da sollen sensible Daten gespeichert werden, auf Servern eines Anbieters, der in der Vergangenheit nicht unbedingt dafür bekannt ist, mit Daten auch verantwortungsbewusst umzugehen (was jeder bei Wikipedia nachlesen kann). Offenbar lesen unsere verantwortlichen Funktionäre und Politiker sowas leider nicht. Wie auch, sie haben sicher Besseres zu tun.
    Jüngstes Beispiel unsere Digitalministerin, die bei Instagram und Facebook kräftig was für den Datenschutz tun will. Gleichzeitig teilt sie ein Bild von sich und Herrn Zuckerberg bei Instagram (about last night @ zuck was in town), was leider einen anderen Eindruck vermittelt.
    Warnungen werden ignoriert, Fachleuten wird Unkenntnis unterstellt. Und immer wieder wird gesagt, wie sicher doch alles ist.
    Persönlich finde ich es schade, denn spätestens seit der Titanic sollten Menschen erkannt haben, dass nichts absolut sicher ist. Wobei … da gibt es ja unsere fälschungssicheren Geldscheine, Ausweise, Regierungsnetzwerke, ….. wer mag kann die Liste gern ergänzen. 😉

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  • 27. April 2019 um 12:01
    Permalink

    Ja liebe Kolleginnen und Kollegen, wir müssen weiter mutig sein. Kein TI in meiner Praxis. Und mal ehrlich: Wie sollen denn die ‚Diszipliarmaßnahmen‘ der KBV aussehen? Wollen sie uns die Zulassung entziehen? Dann sollen sie doch! Jobs gibt es genug. Dann gibt es halt 50.000 Privatpraxen mehr in der BRD. Aber nur Ruhe bewahren, das wissen das BGM mit Herrn Wahn oh, sorry, Herrn Spahn und die Kassen und die KBV. Hm, KBV, sind das nicht die, die uns Alle vertreten sollten? Im Moment schafft sie ihre eigene Bedeutung ab.

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  • 26. April 2019 um 23:24
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    Danke für den tollen Beitrag! Sie sprechen mir aus der Seele. Dieser BMG entwickelt sich zunehmend zu einem kleinen Diktator. Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen und müssen dem Druck standhalten, damit wir nicht unsere Würde verlieren und zu Handlangern für fachfremde Interessen werden.

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