Der Druck, sich irgendwie bezüglich der Telematik zu entscheiden (so man sie noch nicht installiert hat), nimmt weiter zu. Der 31.3. als Fristende naht. Viele Sorgen entstehen.

Unbegründete Sorgen

  1. Sorge: was wird eine Verweigerung nicht alles für Folgen haben!
    Wenn Sie, wie auch ich es vorhabe, sich der TI weiter verweigern wollen, ist zu überlegen: was kann im schlimmsten Fall passieren? Im Moment eigentlich nur: 1% Honorarabzug.
    Das ist ärgerlich, nicht in Ordnung und wird zu Sozialgerichtsklagen führen. Aber es ist kein Weltuntergang.
  2. Sorge: Lesegeräte gehen nicht mehr.
    Auch das ist unwahrscheinlich, so man sich in den letzten rund zehn Jahren irgendwann mal neue beschafft hat. Sie gehen weiter. Angeblich sollen irgendwann die Daten auf der elektr. Gesundheitskarte verschlüsselt werden und wären dann nicht mehr mit den bisherigen Geräten lesbar.
    Die KBV hat mir aber am 12.3. dazu geschrieben, dass dies nicht alle Daten betreffe, sondern nur die, „die von den Datenschützern als ’sensibel‘ eingeschätzt würden, z. B. DMP-Kennzeichnung (da sich hieraus Informationen über Krankheitsbilder ableiten lassen) und ‚Besondere Personengruppe‘. Diese Daten können abrechnungsrelevant sein“.
    Letzter Satz dieser KBV-Info: „Ein Stichtag, ab dem die Verschlüsselung der Informationen auf der eGK beginnt, gibt es noch nicht. Er ist abhängig vom Status des ‚bundesweiten Rollouts‘ „.
    Wenn der weiter deutlich unter 80% bleibt, kommt dieser Stichtag sicher nicht so schnell – ein Grund mehr, sich nicht anschließen zu lassen.
  3. Sorge: es gehe das Gerücht, die Abrechnung sei dann nicht mehr möglich.
    Kompletter Unsinn, dafür gibt es überhaupt keine Hinweise.
  4. Sorge: ich muss die TI dann selbst bezahlen, wenn ich sie unter großem Druck irgendwann doch noch bestelle.
    Hierzu sei auf Frage 46 der FAQ der bayerischen KV zur TI verwiesen (Stand: Februar 2019):

Ist in der Finanzierungsvereinbarung ein Enddatum für die Auszahlung der Pauschalen für die Erstausstattung sowie den laufenden Betrieb festgelegt?
Die aktuelle TI-Finanzierungsvereinbarung (vom 14.12.2017/13.06.2018) gilt bis zum 31.März 2022. Nach § 10 Absatz 1 der Finanzierungsvereinbarung werden die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und der GKV-Spitzenverband spätestens im April 2021 erneute Verhandlungen aufnehmen, um die Betriebsbereitschaft der technischen Komponenten zum Anschluss der Vertragsarztpraxen an die Telematikinfrastruktur sicherzustellen.
In § 10 Absatz 2 der Vereinbarung ist ebenfalls festgelegt, dass die KBV und der GKVSpitzenverband Verhandlungen zur Anpassung der Vereinbarung aufnehmen, wenn sich neue Erkenntnisse über die Entwicklung der Marktpreise oder andere signifikante Veränderungen ergeben.
Nach den erneuten Verhandlungen von KBV und GKV-Spitzenverband wird auf Basis der veröffentlichten Eckpunkte (Pressemitteilung und Praxisnachrichten vom 31.05.2018) die Finanzierungsvereinbarung angepasst. Diese gilt laut KBV-Information ab Juli 2018 und ist unbefristet

Also: auch hier kein Grund zur Panik!

  1. Sorge: ich bin ohne TI technisch abgehängt, Patienten werden enttäuscht sein.
    Mal ehrlich: welche Patienten fragen nach der Möglichkeit nach, Praxisdaten auf dem Smartphone verfügbar zu haben? Das sind allenfalls Einzelfälle. Die große Mehrheit interessiert sich gar nicht, oder hat Angst vor Datenklau von zentralen Servern, wo die Daten irgendwann mal gespeichert werden, so dass Patienten schon geäußert haben, dann lieber privat zahlen zu wollen (und die waren nicht psychisch auffällig!).
  2. Sorge: und was ist dann mit der elektronischen Patientenakte?
    Abwarten! Die kommt erst frühestens 2021. Wenn die das technisch überhaupt schaffen bis dahin. Und u. U. braucht man dafür dann gar keine TI mehr. Soll ja direkt mit Smartphone zugänglich sein.

Fragliche Gesetzeslücken: Große Newsletter-Aufregung

Vor 4 Tagen große Ankündigung per „EILMELDUNG“, Gesetzeslücke gefunden, mehr dazu komme im Newsletter des Kollegennetzwerkes Psychotherapie am nächsten Tag. Der stellte sich dann relativ unübersichtlich dar, behielt den Hinweis auf eine zweite Gesetzeslücke „als Trumpf im Ärmel“ zurück und gab dann im mitgelieferten Brief-Vordruck auch noch falsche Paragraphen an (wohl inzwischen korrigiert). Worum es aber eigentlich ging:

Kassen  müssen Dienste anbieten, mit denen die Stammdaten auf der elektr. Gesundheitskarte abgeglichen und korrigiert werden können. § 291 Abs. 2b Satz 2 SGB V sagt dann aus: „Diese Dienste müssen auch ohne Netzanbindung an die Praxisverwaltungssysteme der Leistungserbringer online genutzt werden können“ (Hervorhebung von mir).

Soweit dieser Satz. Das heißt aber nur, dass es weiter online gemacht werden muss, aber eben u. U. mit PC, und ohne Praxisverwaltungssystem (PVS), also mit sogenannter „stand-alone-Lösung“. Dafür gäbe es keine Anbieter, so der Newsletter, und deshalb könne man einen Musterbrief als Begründung der TI-Verweigerung an die KV schicken.

Zum Einen: laut einem IG-Med-engagierten Kollegen bietet z. B. medatixx durchaus solche „Leer-Software“ an. Es gibt also Anbieter. Zum Anderen: dieser Abgleich wird ebenso nur mit TI funktionieren, aber es hängt nicht das ganze PVS mit dran. Aber es müssen trotzdem Konnektor, Security Mobile Cards und anderer Kram bestellt werden, laut gematik wohl sogar 2 Konnektoren (Infoblatt der gematik)! Nicht viel damit gewonnen also, meine ich. Dementsprechend schreibt der Newsletter dann auch: Diese Lösung ist für vor allem für diejenigen, die sich eigentlich anschließen lassen wollen, aber noch mit den Folgen „hadern“.

Andere meinen, man könnte auf einer sog. „Kiosk“-Lösung bestehen wie in Frankreich, wo Patienten an Automaten in Krankenhäusern und Apotheken ihre Gesundheitskarte aktualisieren können, arztunabhängig. Aber ob man das mit oben zitiertem Gesetzestext fordern kann, indem eindeutig von „Leistungserbringern“ (also auch Ärzten) die Rede ist? Dünnes Eis, meine ich. Aber probieren kann man viel – im besten Fall lässt sich so etwas Verwirrung stiften und der Honorarabzug aufhalten bzw. verschieben.

Darauf verlassen sollte man sich allerdings nicht. Lieber einstellen auf 1% weniger Honorar, vorübergehend, bis die Klagen entschieden sind. Und: mit der TI-Verweigerung tun Sie etwas für (!) Ihre Patienten, und für Ihre Selbstachtung und Würde. Unkritisch mitlaufen mit der Herde muss man ja nicht.

Sorgen wegen TI – und fragliche Gesetzeslücken!

5 Gedanken zu „Sorgen wegen TI – und fragliche Gesetzeslücken!

  • 22. März 2019 um 0:29
    Permalink

    Ich werde mich nicht anschließen lassen, in BW ist eine Sammelklage geplant. sich so veraltetes Zeug in die Praxis zu stellen und dafür noch bei Kosten und Sicherheit zu haften, ist keine Option.
    Wir (ich habe heute telefoniert mit einem Mitarbeiter der KV) müssen lediglich mit 1 % Strafe rechnen, der Weg, die TI doch noch anzuschaffen bliebe bei Erstattung ohne Abzug wie bisher bis 2022. Aber! solange es unter 95 % Anmelder gibt, wird die e-Card nicht scharf gestellt.

    Schaffen wir es!, dass sich ausreichend Praxen nicht erpressen lassen, und die e-card wird nie scharfgestellt.
    Ich bin für eine moderne Vernetzung, bei der die Gematik Kosten übernimmt und in der keine zentrale Datenspeicherung stattfindet. Das ist alles längst technisch machbar.

    Trotz teilweise anderslautender Medien verweigert sich offensichtlich immer noch ein Großteil der Praxen.
    Kritische Themen sind Datenunfälle, was ist wenn das Einverständnis für die Übermittlung von Patientin zurückgenommen wird?, wir können die Daten nie wieder von zentralen Server zurückholen. Diesbezüglich sehe ich unzählige Probleme. Ein Kollege schreibt dazu:

    Auch wer sein Altarchiv durch Anschluss an einen Konnektor, unkontrollierbar öffnet muss strafrechtlich belangt werden!
    In ein Konnektor-kontaminiertes Praxisnetz dürfen nur neue Daten von Patienten aufgenommen werden, die bereit sind, den behandelnden Arzt von jeglicher Haftung für Weitergabe und Missbrauch ihrer persönlichen Daten zu befreien. Und die damit sowohl einer wissentlichen, als auch unwissentlichen Weitergabe ihrer Daten an unbeteiligte Dritte, eindeutig, ohne Beeinflussung von Aussen und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte zugestimmt haben!

    Ich habe heute mit einem Kollegen telefoniert, der berichtete, obwohl er angeschlossen ist, dass der Unitymedia- Router nicht kompatibel mit der TI ist und erst noch eine Lösung gefunden werden müsste. Dies könne Monate dauern.

    statt veralteter Technik moderne, sichere Vernetzung in die Praxen
    Kosten von der Gematik übernommen
    Sicherheit den Mindeststandards entsprechend, und
    die strafrechtliche Verantwortung statt dessen nicht auf die einzelnen Praxen abwälzen
    keine zentrale Datenspeicherung

    2022 sind dann mit Sicherheit für die Praxen bessere Lösungen auf dem Markt – im Hinblick auf Kostenerstattung, Technik, Haftung und Datensicherheit.
    Zudem sollten wir die Praxen und die Patienten auch vor einer Abgabe der Patientendaten in zentrale Speicher schützen. Dies ist im Rahmen der elektronischen Patientenakte (ePA) ja schon geplant.
    Deshalb verweigere ich weiterhin die Installation des Konnektors in meiner Praxis, werde so wie viele andere Kollegen die Strafe erwarten und dann dagegen klagen.

    weil eigene Erfahrung: Die KVen UNTERSCHÄTZEN die Macht der Datenschützer: Beispiel : bei der Privatabrechung wurde bei 1 Pat übersehen, dass er keine Rechnung über die PVS wollte. Er hat , weil die Rechnung doch über PVS kam, diesen 1 Vorgang dem Datenschutzbeauftragten NRW gemeldet, Ergebnis: 800 € Strafgeld, Hinweis wegen 1 maligen Vorgangs billige Busse, ansonsten sind möglich:

    Strafgeld bis 500000 € , sofort fällig, KEINE RECHTLICHE AUFSCHUBMÖGLICHKEIT

    Im Wiederholungsfall: Schließung der Praxis, ebenfalls KEINE Aufschubmöglichkeit

    meine Meinungg: NIEMALS DIESEN KONNEKTOR

  • 20. März 2019 um 16:30
    Permalink

    Danke für die Übersicht.

  • 20. März 2019 um 16:16
    Permalink

    Perfekt! So sehe ich das auch! Also mal locker zurücklehnen und abwarten!

  • 19. März 2019 um 11:40
    Permalink

    Vielen Dank, Ihre Argumente helfen mir weiterhin zu verweigern.
    Mit freundlichem Gruß

  • 18. März 2019 um 19:29
    Permalink

    Dem kann ich nichts hinzu fügen. Danke für Ihr Engagement .

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