Vor zwei Tagen fand in Berlin die sog. Dialogveranstaltung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mit Jens Spahn statt. Als Vertreter der Initiative „Freiheit für 1%“ war ich zugelassen worden, und fand mich nun in einem Saal mit Berufsverbandschefs und den Vorständen verschiedener Landes-KVen wieder. Zum Glück waren auch die Freie Ärzteschaft und die IG Med vertreten, die ebenso noch telematik- und eAkten-kritisch sind.

Auch wenn es mehr um Entbudgetierung und Bedarfsplanung ging, und der Moderator von der Ärztezeitung kritische Stimmen gerne unterbrach, dafür weitschweifige Beiträge von KV-Chefs gerne zuließ, erlaubte ich mir, Herrn Spahn in der Diskussion auf die Fragwürdigkeit der Telematik und elektronischen Patientenakte vor dem Hintergrund des aktuellen Hackerskandals und der bekannten Sicherheitslücken in elektronischen Gesundheitsakten anzusprechen.

„Die Digitalisierung im Gesundheitswesen kommt. Entweder, wir gestalten das mit – oder wir müssen das erleiden“, so Spahn. Mit Kritik an der gematik meinte er gar, es müsse alles schneller gehen: „Ich werde die Telematik und die elektronische Patientenakte vorantreiben – Hacker hin oder her.“ Zur Arztpraxis 2019 gehöre es dazu, digital angebunden zu sein. Für differenzierte Betrachtungen scheint da wenig Platz zu sein. Schließlich sei ja irgendwann auch die Umstellung der Abrechnung auf EDV erfolgt.

Dass dies eine völlig andere Dimension hat, ob man einmal im Quartal über eine unkompliziert hergestellte Verbindung eine verschlüsselte Datei an die KV übermittelt, oder ob permanent Daten auf zentralen Servern bei der gematik gespeichert werden, müsste ihm wohl erst einmal näher erläutert werden. Beim Versuch, ihn beim Verlassen der Veranstaltung für einen Gesprächstermin zu gewinnen, steckte mir zumindest sein Pressesprecher Hanno Kautz seine Karte zu.

Eine Bemerkung war auch noch aufschlussreich: „Es geht nicht darum, dass der Patient zu allererst seine Akte steuert.“ Vor nicht allzu langer Zeit hatte die Vertreterin des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen noch gefordert, der Patient solle Herr seiner Daten sein. Schien es nicht so, dass Spahn dies ebenso wollte mit der Möglichkeit, auch über Smartphone darauf zugreifen zu können? Offenbar nicht, und das wirft erneut die Frage auf: wofür das Ganze?

Insgesamt ernüchternd. Wir werden einen langen Atem brauchen. Wichtig erscheint es, jetzt nicht unter Druck zu bestellen, sondern den passiven Widerstand aufrecht zu erhalten. Das ist wohl der effektivste Protest momentan.

„Hacker hin oder her“ – Spahn ist das alles egal!

3 Gedanken zu „„Hacker hin oder her“ – Spahn ist das alles egal!

  • 21. Januar 2019 um 9:01
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    Als Patientin, die immer noch sehr gerne keine egk hat und sich gerne dafür in Praxen anschreien lässt und am Telefon mit der Krankenkasse diskutiert, lobe ich Ihre Initiative ausdrücklich.

  • 20. Januar 2019 um 21:12
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    Wenn wir davon ausgehen, was bereits an Geld in die TI gesteckt worden ist und wenn wir weiterhin nicht davon ausgehen, dass es um den Abgleich von Versichertenstamm-daten geht sondern um etwas viel Größeres, dann wundert die Reaktion des Gesund-heitsministers wohl kaum! Ja, wir werden einen langen Atem brauchen, sicherlich auch noch eine ganze Menge Mut und Courage, uns gegen ein Gesetz zu stellen, welches Schweigepflicht und Datenschutz (im Interesse unserer Patienten und von uns selbst) nicht berücksichtigt. Die Interessen derer, die sich von der Nutzung vieler Millionen Patientendaten hohe Profite erhoffen, sind der Hintergrund für solch ein Gesetz. Es ist Zeit für den Widerstand!

    • 26. Februar 2019 um 19:06
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      Dem kann ich nichts hinzu fügen. Ich wundere mich nicht mehr. Herr Spahn ist interessengeleitet : Sollte er in der Bundesregierung scheitern, wird er einen gut dotierten Posten in der TI bekommen ( siehe Eckard v Klaeden :vom Kabinettstisch
      in die Autoindustrie ), die Liste ließe sich beliebig fortsetzen ; das macht letztendlich die „Volksparteien“ kaputt , die Selbstbedienungsmentalität der „Spitzenpolitiker „;

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