Eilmeldung heute Nachmittag auf aend.de: Wer seine Praxis nicht an die TI anschließt, soll laut Spahn ab März 2020 eine Honorarkürzung von 2,5 Prozent erdulden müssen. So sehe es sein Entwurf für das nächste E-Health-Gesetz vor.  

Spahn ärgert sich über 20% TI-Verweigerer 

Spahn hatte heute auch in Sachen Telematik gegenüber dem „Deutschen Ärzteblatt“ betont: „Mich wundert, dass 20 Prozent der Praxisinhaber offenbar lieber in Kauf nehmen, ein Prozent vom Umsatz abgezogen zu bekommen, als sich an die gesetzliche Frist vom 30. Juni zu halten.“ Und weiter: „Wenn sich viele verweigern, müssen wir noch einmal nachdenken, wie wir darauf reagieren“.

Im Endeffekt: 3,5% Honorarabzug!

Die Redaktion des Ärztenachrichtendienstes wies auf Nachfrage darauf hin, dass ab dem 1. März 2020 jetzt 2,5 Prozent einbehalten werden sollen, wenn die Praxis nicht an die TI angeschlossen ist, „ab dem 30. Juni 2021 dann (noch zusätzlich) 1%, wenn ‚die für den Zugriff auf die elektronische Patientenakte erforderlichen Dienste’ nicht verfügbar sind. Was für Dienste das dann auch immer sein mögen…“ .

Das heißt im Endeffekt: 2,5% Honorarabzug ab März 2020 ab 1.3.2020 für TI-Verweigerer, dann 3,5% Honorarabzug insgesamt ab 1.7.2021, wenn irgendwelche für den Zugriff auf die elektronische Patientenakte erforderlichen Dienste nicht vorhanden sind (natürlich kann man annehmen, dass Unternehmen wie die CGM diese Dienste, etwa Software für den Zugriff auf die ePA über Smartphone, gerne mit schönen monatlichen Kosten anbieten werden!).

„1:0“ für die TI-Kritiker – Erste Reaktionen

Das Ganze macht wütend, und auch traurig, sieht man, wie weit wir auf dem Weg in die smarte Diktatur schon sind, zumindest im Gesundheitswesen. Aber es gibt auch eine positive Sicht auf das Geschehen. Harald Tegtmeyer, stv. Vorsitzender des VPK (Verband psychotherapeutisch tätiger Kassenärzte) und Mitbetreiber von „Freiheit für 1%“, meint dazu:

Nun ja, Spahn sagt: die Akzeptanz für die TI sei unzureichend. Das heißt anders herum: es gibt zu viele Verweigerer, er hatte dabei von 20% gesprochen, also 1:0 für die Kritiker! Der Kurs von Spahn heißt: Und bist Du nicht willig, so brauch‘ ich Gewalt. Das einzige Problem mit der TI sieht er darin, dass es bisher keinen Nutzen für die Ärzte hat. Ach so, das merkt er nun auch schon. Datenschutz, nun das kommt erst im nächsten Jahr.
Sehen wir es als Adel, dass Spahn sich veranlasst sieht uns mit weiteren Pressionen zu überziehen!

Und Ilka Enger, Vorsitzende der IG Med (Interessensgemeinschaft Medizin), schreibt in ihrem Kommentar auf aend.de:

Es dürften deutlich mehr als 20% sein. Ich rechne eher mit 30 bis 40%, die vernünftig genug sind, sich nicht an die unsichere TI-Infrastruktur zwingen zu lassen.
Und ich garantiere Herrn Spahn, dass er mit noch rigideren Zwangsmaßnahmen auch die Lust der Kollegen steigert, sich in entsprechenden Klagen mit solchen Zwangsmaßnahmen auseinanderzusetzen, denn es kann einfach nicht angehen, dass man Bürger – und auch Ärzte sind Bürger – dazu zwingt, sich entscheiden zu müssen, welches Gesetz man denn nun brechen sollte.
Ich rate Herrn Spahn dringend, seine Hausaufgaben als Gematik-Mehrheitsgesellschafter zu machen und dafür zu sorgen, dass die Sicherheitslücken behoben werden, weil man ihn dann für den Datenverlust auch politisch verantwortlich machen wird.
Fazit: Wir Ärzte denken ernsthaft darüber nach, ob wir unseren Vertrag mit dieser politischen Führung nicht doch kündigen müssen, um uns selbst zu schützen!

Lebensgrundlagen zerstören ist weiter erlaubt!

Und ich wiederum kann es mir als auch in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit Aktiver nicht verkneifen, anzumerken, dass es ohne jegliche Sanktionen weiterhin erlaubt ist, die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören, also fleißig CO2 auszustoßen oder Flächen zu versiegeln. 70.000 Hitzetote bei der Hitzewelle in Europa 2003, 9 Millionen Tote durch Luftverschmutzung weltweit 2015? Thema für den Herrn Gesundheitsminister?
Nein. Aber nicht an die Telematik angeschlossen zu sein, das gefährdet angeblich Menschenleben. Weshalb hier gegen Verweigerer hart vorgegangen werden muss. Wie absurd!

Karteikarten sind überholt? Bei mir nicht!

Ach ja, und Spahn hatte auch noch gemeint (zitiert nach aend.de): „Der Patient von morgen wird immer noch einen Arzt brauchen. Aber er wird keinen Arzt mehr ernst nehmen, der nur noch über Karteikarten arbeitet“.

Also, ich werde weiterhin über Karteikarten arbeiten, und dabei noch meine Patienten gut direkt ansehen können, statt nur noch in den Bildschirm zu glotzen. Meine Patienten mögen das auch so. Soll nicht nur ich, sondern sollen auch sie gleich mit wegrationalisiert werden, als nicht mehr in dieseZeit passend?

Ein Kollege kommentierte auf aend.de die dumme Äußerung zu den Karteikarten so:
„Der Patient von morgen freut sich wenn er überhaupt noch bei irgendeinem Arzt einen Termin bekommt. Der digitale Schnickschnack ist ihm egal wenn er kompetent und empathisch behandelt wird !!! Dafür muss man Freiräume schaffen und kein Industriesponsoring.“

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Gesetzentwurf: Spahn will 2,5% Honorarabzug für TI-Verweigerer!

3 Gedanken zu „Gesetzentwurf: Spahn will 2,5% Honorarabzug für TI-Verweigerer!

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