Kürzlich sprachen ja schon die Vorsitzenden der hessischen KV von Kollegen, „die ‚hirnunabhängig‘ diesen Blödsinn weiter erzählen“ würden (gemeint war die Stand-alone-Lösung für die TI).

Heute nun erreichen mich zwei Anfragen aus dem Berliner Raum, die verunsichert sind von Drohungen der KV Berlins mit Verwarnung, Verweis, Geldbuße oder Ruhen der Zulassung für zwei Jahre für den Fall des Nicht-Anschlusses an die TI.

Ich habe beiden empfohlen (und schreibe es daher auch hier), sich an der IG Med und/oder Freien Ärzteschaft zu orientieren (oder ihnen gar beizutreten), weil die beiden Verbände die größten noch verbliebenen Gruppierungen gegen die TI sind. Hier wird es dann auch Musterklagen etc. geben, nach erstem realen Honorarabzug.

Nachdem selbst Spahn von 20% Nicht-Angeschlossenen spricht, haben wir doch eine gewisse Macht! Wir sollten uns nicht nervös machen lassen. Jetzt erst mal den Ärztetag von Münster abwarten (28.-31.5.), am besten hinfahren zur Eröffnungsveranstaltung (J. Spahn spricht). Bestellen kann man in allerletzter Konsequenz immer noch. Aber bis dahin, trotz aller Nerven und Zeit, die das kostet, lohnt sich der Widerstand gegen diese Form der Zwangsdigitalisierung, meine ich.

Die meisten Kollegen, die die TI bestellt und installiert haben, haben dies nicht aus Begeisterung, sondern widerwillig und unter Druck gemacht. Vielleicht zwingen sie uns, die wir noch nicht angeschlossen sind, in den nächsten Jahren noch in die Knie, wer weiß.

Aber der Vertrauensverlust der Ärzte in ihre Interessensvertreter und die Gesundheitspolitik ist bereits heute enorm. Dieser Schaden wird so schnell nicht gut zu machen sein. Im Gegenteil: es geht ja weiter, etwa mit dem TSVG und der Meldepflicht freier Termine an Terminservicestellen … . Für Motivation und eine gute alltägliche Arbeit in den Praxen ist all das nicht förderlich.

Drohungen der KV Berlins

3 Gedanken zu „Drohungen der KV Berlins

  • 21. Mai 2019 um 14:17
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    Wenn die Zulassungen von 20% der Kassenärzte für zwei Jahre ruhen, wird es knapp mit der ambulanten Gesundheitsversorgung in unserem Land. Also „standhaft bleiben“ heißt die Devise, denn vielleicht sitzen ja doch die „Verweigerer“ am längeren Hebel. Und außerdem haben wir noch die Patienten auf unserer Seite.
    Unterstützen Sie bitte weiter die online-Petition an die Patientenbeauftragte der Bundesregierung „Für ein Recht auf Geheimhaltung der eigenen Krankengeschichte“ unter: http://www.change.org/recht-auf-geheimhaltung

  • 20. Mai 2019 um 22:43
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    Das sehe ich genau so. Erst mal abwarten. Die hohe Politik vergisst, dass viele Kolleginnen und Kollegen um die 60 Jahre sind. Zumindest im hausärztlichen Bereich. So auch ich. Und ich lasse mich so schnell nicht einschüchtern. Und ich habe, wie einige Kollegen in meiner Stadt, einfach keine Lust auf diesen unausgegorenen TI-Quatsch. Zur Not früher aussteigen aus der zentralistischen Staatsmedizin. Jobs gibt’s genug.

  • 20. Mai 2019 um 20:42
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    Wie groß muß die Angst beim Gesundheitsminister und bestimmten Funktionären sein, daß sie nur mit dem weiteren Ausbau der Drohkulisse antworten können. Aber ich bin weiter fest davon überzeugt, daß Schweigepflicht und Datensicherheit für unsere Patienten die höheren Güter sind, die es gilt, gegen ein Gesetz zu verteidigen, welches gegen diese Werte verstößt. Sollte dies unser Bundesverfassungsgericht anders sehen, dann wollte ich in diesem Gesundheitssystem ohnehin kein Kassenarzt mehr sein, denn dann ist dies für mich das Ende für unser Grundgesetz!

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