Mal wieder reichen 3 aktuelle Meldungen (wie sie eigentlich permanent eintreffen), um die Fragwürdigkeit des naiven Technikglaubens allein schon anhand der Datenunsicherheit zu entlarven (von anderen Argumenten wie grundsätzlich fragwürdiger Nutzen oder Energie-, Geräte- und Ressourcenverbrauch etc. mal ganz abgesehen).

Neue Panne bei Vivy – Schlafmittel am Mittag?

Meldung vom 16.8. auf heise.de: „In der Gesundheits-App Vivy ist der Medikationsplan zahlreicher Nutzer durcheinander geraten. Daher sperrte das Unternehmen die betroffenen Accounts. Grund sei eine ‚Aktualisierung des Softwarecodes‘, die dazu führte, ‚dass Dosierungen der Medikamente am Abend für die Dosierung am Mittag übernommen wurden‘. Der Fehler konnte nicht vonseiten des Unternehmens behoben werden.“ Die Accounts der betroffenen Nutzer wurden dann wohl gesperrt, die entsprechenden Medikationspläne auf den Servern gelöscht. Aber: da laut einer Vivy-Sprecherin die Mitarbeiter keinen Zugriff auf die Daten haben, müssten die Benutzer die Daten im eigenen Gerät selbst löschen.

Na, da sehen wir doch schon alle unsere armen Patienten begeistert an Smartphone, Tablet und PC über ihrer elektronischen Patientenakte brüten, wenn sie denn hoffentlich nicht am Mittag aus Versehen das Schlafmittel vom Abendeingenommen haben. Komisch nur, dass noch keine Patienten in der Praxis nach der schönen neuen Welt der elektronischen Patientenakte nachgefragt hat. Könnte es sein, dass die eigentlich ganz andere Sorgen haben? Ach, und zu Vivy noch: diese Gesundheitsakte war ja relativ einfach zu knacken gewesen, wie Martin Tschirsich in seinem Vortrag beim Chaos Computer Club Ende Dezember gezeigt hatte.

Mastercard-Daten im Netz

Auch Kreditkarten-Kunden kommen gerade ins Schwitzen. Wie die Süddeutsche Zeitung am 21.8. meldete, wurde eine Liste mit 80.000 vollständigen Kreditkarten-Nummern im Netz hochgeladen. Ablaufdaten seien durch Ausprobieren unter Umständen leicht zu erraten, die CVV-Prüfziffer oft gar nicht nötig bei Online-Bestellungen. Auch wieder mal sehr beruhigend! – Und die dritte Meldung schließlich:

Internationales Team von Mathematikern stellt Online-Sicherheitssysteme in Frage

Pressemitteilung der Uni Passau vom 2.8.: „Unter Beteiligung der Universität Passau hat ein internationales Team von Mathematikern ein neues Verfahren zum Knacken kryptographischer Codes entwickelt und einen neuen Weltrekord aufgestellt. Die Forscher gehen davon aus, dass eine bestimmte Variante von Verschlüsselungssystemen, die aktuell bei der Absicherung von Online-Transaktionen im Einsatz sind, damit nicht mehr sicher nutzbar ist.“

Bald Bundestagspetition gegen TI und ePA

Wenn man Meldungen wie diese (und viele andere zuvor) berücksichtigt, lohnt sich der Protest gegen Telematikinfrastruktur und elektronische Patientenakte weiterhin! Eine Gruppe bayerischer Ärzte und Psychotherapeuten wird daher am 2.9. die schon angekündigte Petition beim zuständigen Bundestagssekretariat einreichen, nach Prüfung wird sie dann voraussichtlich im Oktober online gezeichnet werden können.

Schon jetzt aber kann man offline Unterschriften dafür sammeln, das ist nach Rücksprache mit dem Sekretariat auch erlaubt. Infoblätter und Unterschriftenliste können unter gesundheitsdaten-in-gefahr.de runtergeladen werden. Im September werden wir auch Infoblätter gedruckt in größeren Mengen verschicken können, Bestellung dann möglich unter infomaterial@gesundheitsdaten-in-gefahr.de.

Damit werden wir zwar vielleicht das Ganze nicht aufhalten können. Aber brav oder resigniert alles mitmachen muss man auch nicht. Und 30% nicht angeschlossene Praxen beispielsweise in Bayern sind doch schon mal ein Widerstand, der die aufwändige Techniklösung insgesamt in Frage stellt. Jetzt muss dieser Widerstand nur noch öffentlich werden. Auch dazu soll die Petition verhelfen.

Datensicherheit schaut anders aus – Protest gegen TI und ePA lohnt sich daher weiterhin

Ein Gedanke zu „Datensicherheit schaut anders aus – Protest gegen TI und ePA lohnt sich daher weiterhin

  • 26. August 2019 um 17:16
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    Gut so. Ich kenne einige Kollegen in meiner kleinen Eifelstadt Mayen, die den TI-Hype aus gutem Grunde nicht mitmachen. Widerstand lohnt sich. Und ist eine Verpflichtung unseren Patienten gegenüber. Da kann ‚Klein-Spähnchen‘ ruhig wie Rumpelstilzchen vor Wut in seinem schicken Berliner Büro hin und her tanzen. Ist mir doch egal. No TI!!!

    Entspannte Grüße aus der Eifel.

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